ChatGPT und ähnliche Systeme greifen nicht auf Google Maps oder dein Google-Unternehmensprofil zu. Sie beziehen Ortsinformationen aus dem Bing-Index, Bewertungsplattformen, Foren und redaktionellen Listen. Ein perfekt gepflegtes Google-Profil ist für diesen Kanal deshalb wirkungslos. Was zählt, sind Bing Places, konsistente Daten in Drittquellen, Erwähnungen in "Beste Anbieter"-Listen und Inhalte, aus denen sich einzelne Passagen zitieren lassen.
Wie relevant der Kanal ist
Dein Google-Profil ist perfekt gepflegt. Kategorie stimmt, Bewertungen fließen, Fotos sind aktuell.
Und trotzdem nennt ChatGPT deinen Wettbewerber, wenn jemand nach einem Anbieter in deiner Stadt fragt.
Warum? Weil ChatGPT dein Profil gar nicht sieht.
Der Anteil der Menschen, die KI-Systeme für lokale Empfehlungen nutzen, ist in kurzer Zeit von einer Randerscheinung auf einen erheblichen Anteil gestiegen. Erhebungen nennen für 2026 Werte um 45 Prozent. Wenige Jahre zuvor war es ein einstelliger Wert.
Interessanter als die Reichweite ist die Qualität dieser Kontakte.
Auswertungen zeigen für Besucher aus KI-Systemen deutlich höhere Konversionsraten als für klassischen organischen Suchverkehr. Teils um eine Größenordnung.
Der Grund liegt nahe: Wer eine Empfehlung als Antwort bekommt, hat die Vorauswahl schon delegiert.
Das ist kein Ersatz für Google. Das Local Pack bleibt der wichtigste lokale Kanal, und wer dort nicht sichtbar ist, sollte dort anfangen. Aber es ist ein zweiter Kanal, der nach anderen Regeln funktioniert – und in dem die meisten Betriebe gar nicht vorkommen, weil sie ausschließlich an Google gearbeitet haben.
Woraus KI-Systeme ihre Ortsdaten ziehen
Hier liegt der Kern.
ChatGPT hat keinen Zugriff auf Google Maps. Es liest dein Google-Unternehmensprofil nicht.
Was es stattdessen nutzt:
- Den Bing-Index. Die zentrale Quelle für Ortsdaten. Was in Bing Places steht, ist die Grundlage.
- Bewertungsplattformen. Große Bewertungs- und Vergleichsportale, in Deutschland auch branchenspezifische.
- Foren und Communitys. Reddit spielt hier eine überraschend große Rolle, weil dort echte Empfehlungen in natürlicher Sprache stehen.
- Redaktionelle Listen. „Die besten X in Y" – Artikel von Stadtmagazinen, Blogs, Portalen.
- Deine eigene Website, sofern sie für KI-Crawler erreichbar ist und die Informationen dort in zitierbarer Form stehen.
Von den Faktoren, die Sichtbarkeit in solchen Systemen erklären, sind mehrere direkt an diese Drittquellen gebunden. Die Platzierung in „Beste Anbieter"-Listen gilt als besonders wirksam.
Der entscheidende Unterschied zu Google
| Google Local Pack | KI-Systeme | |
|---|---|---|
| Hauptquelle | Google-Unternehmensprofil | Bing-Index, Portale, Foren |
| Entfernung | Stärkster Einzelfaktor | Schwächer gewichtet |
| Ergebnismenge | Drei, dann „weitere Orte" | Oft nur ein bis drei Namen, ohne Alternative |
| Bewertungen | Google-Bewertungen | Bewertungen über mehrere Plattformen hinweg |
| Wichtigster Hebel | Profil und Kategorie | Erwähnungen und Datenkonsistenz in Drittquellen |
Der zweite Punkt von unten ist der unangenehmste.
Wo Google drei Ergebnisse zeigt und die Möglichkeit, weiterzublättern, nennt ein KI-System oft nur einen oder zwei Anbieter.
Es gibt keinen vierten Platz.
Entweder du wirst genannt oder du existierst in dieser Antwort nicht.
Ein weiterer Befund, der zu denken gibt: Markenerwähnungen im Netz korrelieren mit Sichtbarkeit in KI-Systemen deutlich stärker als klassische Verlinkungen.
Es geht also weniger darum, wer auf dich verlinkt. Es geht darum, wo über dich geschrieben wird.
Was tatsächlich hilft
Bing Places anlegen und pflegen
Der wichtigste Einzelschritt. In etwa einer halben Stunde erledigt und bei den meisten Betrieben nicht vorhanden. Ohne diesen Eintrag fehlt dir die Grundquelle des ganzen Kanals.
Daten in Drittquellen korrigieren
Alte Adressen und Telefonnummern in Portalen sind das, was KI-Systeme ausgeben. Unabhängig davon, wie aktuell dein Google-Profil ist. Vorgehen dazu in unserem Beitrag zur NAP-Konsistenz.
Präsenz auf Bewertungsplattformen aufbauen
Nicht nur Google. Liegen deine Bewertungen ausschließlich bei Google, fehlst du in den Quellen, die diese Systeme lesen.
In Listen und redaktionelle Beiträge kommen
Stadtmagazine, Branchenblogs, regionale Portale, Verbandsveröffentlichungen. Das ist klassische Pressearbeit – und für diesen Kanal der wirksamste Hebel überhaupt.
Crawler-Zugang prüfen
Manche Websites sperren KI-Crawler in der robots.txt aus. Oft ohne Absicht, weil eine Vorlage oder ein Sicherheits-Plugin es so eingestellt hat. Wer diese Crawler blockiert, kann in diesem Kanal nicht vorkommen. Das ist eine bewusste Entscheidung – triff sie bewusst.
Inhalte zitierbar schreiben
KI-Systeme zitieren nicht Seiten. Sie zitieren Passagen.
Daraus folgen konkrete Anforderungen an deine Texte:
- Antwort zuerst. Die Kernaussage in den ersten zwei bis drei Sätzen unter der Überschrift, in vollständigen Sätzen. Was nach einer langen Einleitung kommt, wird seltener aufgegriffen.
- Vollständige Sätze statt Fragmente. „Öffnungszeiten: Mo–Fr 8–18" ist schwerer zu verwenden als „Wir sind montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar."
- Konkrete Zahlen und Orte. Nachprüfbare Angaben werden bevorzugt aufgegriffen.
- Eine Überschrift pro Frage. Überschriften, die einer echten Nutzerfrage entsprechen, machen die Passage darunter auffindbar.
- Erkennbare Urheberschaft. Wer schreibt, mit welcher Erfahrung, seit wann. Für Google ein Qualitätssignal, für KI-Systeme ein Grund, dich statt einer anderen Quelle zu nennen.
Du wirst auf Empfehlungen für eine Datei namens llms.txt stoßen, die KI-Systemen die Website erklären soll. Der ehrliche Stand: Google ignoriert sie für die Suche, und ein belastbarer Nachweis, dass sie bei anderen Anbietern etwas bewirkt, fehlt. Sie anzulegen kostet fast nichts und schadet nicht. Aber sie ersetzt keinen der Punkte oben – und wer sie als zentrale KI-Maßnahme verkauft, überverkauft.
Was man ehrlich nicht weiß
Dieser Bereich ist jung. Und es wird viel behauptet.
Was wir belastbar wissen: welche Quellen diese Systeme nutzen, dass Erwähnungen stärker korrelieren als Verlinkungen, und dass die Konversionsraten hoch sind.
Was niemand seriös weiß: wie genau die Auswahl innerhalb einer Antwort zustande kommt, wie stabil diese Auswahl über die Zeit ist, und wie sich das Verhältnis zwischen KI-Antworten und klassischer Suche weiter verschiebt.
Wer dir eine „KI-Ranking-Optimierung" mit garantierter Nennung verkauft, verkauft dir etwas, das nicht messbar ist.
Unsere Haltung dazu: Die Maßnahmen, die in diesem Kanal helfen, sind ohnehin sinnvoll. Korrekte Daten in Drittquellen, Präsenz auf mehreren Bewertungsplattformen, Erwähnungen in redaktionellen Quellen, gut strukturierte Inhalte.
Das ist keine Wette auf eine Technologie. Das ist solide Arbeit, die zusätzlich in diesem Kanal wirkt. Wie sie sich in die übrige Arbeit einfügt, steht in unserem Local-SEO-Leitfaden.


