Für das klassische Google Local Pack haben Verzeichniseinträge stark an Bedeutung verloren – Google hat Verzeichnisse im Juli 2025 sogar aus seiner Definition von Bekanntheit gestrichen. Gleichzeitig sind sie für Sichtbarkeit in KI-Systemen wichtiger geworden, weil ChatGPT und Copilot ihre Ortsdaten aus dem Bing-Index und Bewertungsplattformen ziehen, nicht aus Google Maps. Priorität haben deshalb: Bing Places, Apple-Karten, die großen Bewertungsplattformen und wenige branchenspezifische Quellen.
Was sich geändert hat
Früher war die Empfehlung eindeutig: so viele Verzeichniseinträge wie möglich.
Ganze Dienstleistungen bestanden darin, Betriebe in dreistellige Zahlen von Portalen einzutragen. 300 Einträge, 500 Einträge. Klang nach Arbeit.
Das ist vorbei.
Google hat es selbst deutlich gemacht: Im Juli 2025 wurde die Erwähnung von Verzeichnissen aus der Beschreibung entfernt, was Bekanntheit im lokalen Ranking bedeutet.
Auswertungen der Branche zeigen dieselbe Richtung.
Aber gleichzeitig ist etwas anderes passiert. Von den Faktoren, die Sichtbarkeit in KI-gestützten Suchsystemen erklären, sind mehrere direkt an Verzeichnis- und Erwähnungsdaten gebunden.
Der Grund ist banal: Diese Systeme haben keinen Zugriff auf Google Maps.
Verzeichniseinträge sind kein Ranking-Instrument mehr. Sie sind ein Datenversorgungsinstrument. Du trägst dich nicht ein, damit Google dich höher listet. Du trägst dich ein, damit die Systeme, die nicht auf Google zugreifen, korrekte Informationen über dich haben. Das verändert die Auswahl der Portale komplett.
Die Prioritätenliste
Nach Wirkung sortiert, für den DACH-Raum:
| # | Quelle | Warum |
|---|---|---|
| 1 | Google-Unternehmensprofil | Kein Verzeichnis, aber die Basis. Ohne gepflegtes Profil ist alles andere zweitrangig. |
| 2 | Bing Places | Speist ChatGPT, Copilot und weitere KI-Systeme. Der wichtigste Eintrag nach Google – und der am häufigsten fehlende. |
| 3 | Apple-Karteneintrag | Wird auf jedem iPhone ausgespielt. Für Betriebe mit Laufkundschaft direkt umsatzrelevant. |
| 4 | Große Bewertungsplattformen | Nutzer vergleichen über mehrere Quellen. Auch KI-Systeme lesen hier mit. |
| 5 | Branchenverzeichnisse mit echter Reichweite | Wenige pro Branche – die, die Nutzer tatsächlich verwenden. |
| 6 | Handelskammer, Handwerkskammer, Verbände | Vertrauenssignal und in der Regel ein starker Verweis. |
| 7 | Regionale Portale und Stadtverzeichnisse | Lokaler Bezug, den überregionale Quellen nicht liefern. |
Die Plätze 1 bis 4 sind Pflicht.
Alles ab Platz 5 lohnt nur, wenn die Quelle in deiner Branche tatsächlich verwendet wird. Prüf das: Gib deine Hauptsuchbegriffe ein und schau, welche Portale in den Ergebnissen auftauchen.
Branchenspezifische Quellen
Hier liegt der eigentliche Wert. Weil branchenspezifische Portale von genau den Nutzern verwendet werden, die du suchst.
- Gesundheit: Arzt- und Bewertungsportale, Kassenverzeichnisse, Kammerverzeichnisse. In dieser Branche recherchieren Nutzer erfahrungsgemäß am intensivsten über Portale.
- Handwerk: Handwerkskammer-Verzeichnis, Innungsseiten, Vermittlungsportale.
- Recht und Steuern: Kammerverzeichnisse, Anwaltssuchportale. Vertrauenssignale wiegen hier besonders schwer.
- Gastronomie: Reservierungs- und Bewertungsplattformen, Lieferportale. Sehr häufig von KI-Systemen zitiert.
- Kfz: Werkstattportale, Sachverständigenverzeichnisse, Prüforganisationen.
- Bau und Immobilien: Objektportale, Architektenkammer, Energieberater-Register.
Datenaggregatoren
Ein Punkt, den fast alle übersehen.
Es gibt Unternehmen, deren Geschäft darin besteht, Unternehmensdaten zu sammeln und weiterzugeben. Viele kleinere Verzeichnisse befüllen sich daraus automatisch.
Das hat eine unangenehme Seite. Liegen dort veraltete Daten, tauchen sie immer wieder in neuen Portalen auf. Egal wie oft du einzelne Einträge korrigierst.
Kennst du das Gefühl, nach einem Umzug gegen Windmühlen zu kämpfen? Das ist der Grund.
Es lohnt sich, die eigenen Daten bei den großen Aggregatoren einmal prüfen und korrigieren zu lassen. Unangenehm zu recherchieren, wenig befriedigend – aber es stoppt die Quelle statt die Symptome.
Was du dir sparen kannst
- Pakete mit dreistelligen Eintragszahlen. Für das Local Pack entwertet. Was du bekommst, sind Einträge in Portalen ohne Nutzer.
- Portale, die für die Aufnahme Geld verlangen, ohne Reichweite zu haben. Prüf vorher, ob das Portal bei deinen Suchbegriffen überhaupt auftaucht.
- Verzeichnisse mit Pflicht-Verlinkung auf deine Seite. Ein Netz aus minderwertigen Verweisen ist eher ein Risiko als ein Vorteil.
- Einträge in fremdsprachigen Verzeichnissen ohne Bezug zu deinem Gebiet. Bringt nichts und erzeugt widersprüchliche Ortsangaben.
Praktisches Vorgehen
Referenzdaten festlegen
Eine verbindliche Fassung von Name, Adresse, Telefonnummer – siehe unser Beitrag zur NAP-Konsistenz. Ohne diesen Schritt vervielfältigst du beim Eintragen nur die Uneinheitlichkeit.
Bestand aufnehmen
Telefonnummer in Anführungszeichen googeln. Firmenname mit alter Adresse suchen. So findest du, was schon existiert – und was falsch ist.
Falsches zuerst korrigieren
Ein falscher Eintrag schadet mehr, als ein fehlender nützt. Korrektur geht vor Neuanlage.
Die Pflichtquellen anlegen
Bing Places, Apple-Karten, die relevanten Bewertungsplattformen. Diese vier bis fünf Einträge sind an einem Vormittag erledigt.
Branchenquellen ergänzen
Zwei bis fünf, die in deiner Branche tatsächlich verwendet werden. Danach aufhören.
Einträge sind dabei nur ein Baustein. Wo sie im Gesamtbild stehen und welche Hebel darüber liegen, ordnet unser Local-SEO-Leitfaden ein. Wenn du nicht weißt, welche Einträge zu deinem Betrieb bereits existieren, prüft unser kostenloser Sichtbarkeits-Check die wichtigsten Quellen automatisch.


